Das Sporttape

Der Allrounder bei Muskel- und Gelenkproblemen sowie nach Verletzungen und Operationen

Lange Zeit war man in der Medizin von der Methode überzeugt, die Bewegungsmöglichkeit von Muskeln und Gelenken nach Verletzungen und Operationen deutlich einzuschränken. Nicht selten wurden entsprechende Körperteile mit einem Gips vollständig ruhiggestellt. Diese Vorgehensweise verursachte allerdings erhebliche Probleme, welche man aber mangels geeigneter Alternativen akzeptierte.

Die fehlende Bewegung verursacht unter anderem eine schlechtere Versorgung der Gewebe über das Gefäßsystem, einen reduzierten Flüssigkeitsaustausch zwischen den Zellen sowie eine suboptimale Bildung neuer faszialer Netze. Körperstrukturen, wie beispielsweise Faszien, verkleben, der Flüssigkeitsgehalt zwischen den Zellen ist reduziert und kollagene Fasern werden verkürzt produziert. Bewegungseinschränkungen sind somit meist die Folgen eines Gipsverbandes.

Die Vorteile von Sporttaping
Die Nutzung des unelastischen Sporttapes wurde zum Meilenstein in der modernen Sportphysiotherapie: es sollte die Bewegungen der betroffenen Körperregion weiterhin teilweise ermöglichen, um so eine komplette Einschränkung zu vermeiden. Mit dem Tape wurden bestimmte Bewegungen limitiert, um die Ausheilung der verletzten Strukturen zu gewährleisten. Die Möglichkeit, den betroffenen Körperteil dennoch teilweise im schmerzfreien Bereich bewegen zu können, fördert den optimalen Wiederaufbau der verletzten Gewebe sowie die Wiederherstellung ihrer Funktionen.

Ein Beispiel: Nach einem Supinationstrauma (Sprunggelenksverletzung) wird die Supination eingeschränkt, die Dorsal- und Plantarflexion im schmerzfreien Bereich bleibt aber teilweise weiterhin möglich. Neue Strukturen im Bereich des Knöchels, wie zum Beispiel Kapsel und Bänder, können sich dadurch optimal entwickeln: Die Bewegungen geben vor, wie sie sich im Laufe der Ausheilung im dreidimensionalen Gitternetz integrieren müssen. Gleichzeitig erfolgen weiterhin eine Ver- und Entsorgung über das Gefäßsystem sowie ein Flüssigkeitsaustausch zwischen den Zellen. Dies ist gerade in dieser Phase der Ausheilung essentiell und fördert somit auch die Verkürzung der Heilungszeit.
Die Bewegungsimpulse, selbst in geringer Form, erhalten zudem die neuro-muskuläre Kopplung. Im anschließenden Rehabilitationstraining kann dadurch viel Zeit eingespart werden kann, da diese Funktionen nicht von Grund auf wiedererlernt werden müssen.

Die Kompression des Sporttapeverbandes presst außerdem Flüssigkeiten aus dem Areal und kann neue Einblutungen reduzieren, was die Schwellung in der verletzten Region deutlich verringern kann. Studien von Prof. Dr. Jürgen Freiwald zeigen, dass durch eine Schwellung im Bereich von Gelenken Muskeln unmittelbar schlechter ansteuerbar sind und die Maximalkraft sogar um 25 bis 30 % reduziert wird. Eine Volumenreduktion im Bereich der Gelenke sorgt damit auch für eine verbesserte neuro-muskuläre Ansteuerbarkeit und eine bessere Führung der verletzten Gelenke.

Tape-Anlage nach Supinationstrauma – Schritt 1

Tape-Anlage nach Supinationstrauma – Schritt 2

Tape-Anlage nach Supinationstrauma – Schritt 3

Einfluss auf die Psyche
Auch die Psyche des Sportlers oder Patienten darf nicht außer Acht gelassen werden: Ein Sporttapeverband sorgt nicht nur für einen mechanischen Halt. Die Gewissheit des Schutzes unterstützt ihn auch emotional während den unterschiedlichen Heilungsphasen.

Auch ein Nachteil des Sporttapes muss hier erwähnt werden: Wird es einmal nass, so muss es zwingend erneuert werden. Denn: durch die Nässe und das anschließende Trocknen verkürzt sich das Tape, es „läuft ein“. Das Tape würde dadurch die notwendige Zirkulation reduzieren.
Oftmals schützt man den Tapeverband daher während des Duschens mit einer speziellen Duschfolie mit entsprechendem Verschluss.

Sporttaping in der Therapiekette
Heutzutage werden Sporttapeanlagen häufig auch mit kinesiologischen Tapes kombiniert. Meist kommen die sogenannten Lymphzügel zum Einsatz, um den Lymphfluss zu fördern. Dieser ist gerade nach Operationen und Verletzungen sehr wichtig, da großmolekulare Strukturtrümmer nicht mehr in das venöse System gelangen, sondern nur noch über die initialen Lymphgefäße abtransportiert werden können.
Anschließend an eine solche Lymphfächer-Anlage wird das Sporttape samt seiner positiven „mechanischen“ Eigenschaften wie gewohnt angelegt.

Therapeutischer Verband
Im Training oder Spiel wird das Sporttape häufig direkt auf die Haut geklebt. Durch die direkte Verbindung möchte man einen möglichst starken mechanischen Halt erreichen, aber auch viele Rezeptoren in der Haut ansprechen. Über die Aktivierung der Rezeptoren erhält das Nervensystem auf Rückenmarks- und zentraler Ebene sehr viele zusätzliche Informationen, um die motorische Beantwortung, also die Bewegungen, optimal ablaufen zu lassen.
Die Problematik durch die Nutzung von Sporttape liegt darin, dass die Haut durch das Tape „versiegelt“ wird: Flüssigkeit kann nicht nach außen und Luft nicht an die Haut gelangen. Dadurch weicht die Haut auf und kann nach kurzer Zeit mit Reizungen auf das Tape reagieren. Deshalb werden bei einem therapeutischen Verband zusätzlich sogenannte Unterzugbinden verwendet, die unter dem Tape auf der Haut angebracht werden. Die Haut wird dadurch geschützt und der Verband kann mehrere Tage lang getragen werden.
Unterzugbinden werden in verschiedenen Ausführungen angeboten: Je nach den persönlichen Ansätzen und Vorlieben kann medizinisches Personal zwischen Binden aus Polyurethan oder Baumwolle wählen.

Sporttape

Unterzug aus Baumwolle

Unterzug aus Polyurethan

Zusammenfassung:
Die Verwendung von unelastischen Sporttapes ist eine wirkungsvolle Möglichkeit, um den Körper bei seinen autoreparativen Prozessen zu unterstützen. In einigen Sportarten ist das Tapen, beispielsweise an den Sprunggelenken, sogar verpflichtend, um Verletzungen vorzubeugen. Kombinationsmöglichkeiten von Sporttaping und weiteren Methoden aus Physiotherapie und Training sind nahezu keine Grenzen gesetzt.