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Elektrische Muskelstimulation

Elektrische Muskelstimulation – die effektive Wunderwaffe für deine Muskeln

Elektrische Muskelstimulation, kurz »EMS«, ist ein Mega-Hit. EMS-Studios und -Angebote sprießen wie Pilze aus dem Boden und versprechen, mit nur kurzen Anwendungen Körper und Muskeln in Topform zu bringen. Aber was steckt eigentlich hinter der Trainingsmethode und was sind ihre Vor- und Nachteile?

Grundsätzlich entsteht eine Muskelkontraktion, wenn der motorische Bereich unseres Gehirns einen Impuls generiert, der über einen Nerv und die motorische Endplatte zur Muskelfibrille gelangt. Dieser elektrische Impuls aktiviert die Aktin- und Myosinfilamente, welche die Kontraktion des Muskels durchführen.
Diese Aktivität von motorischen Schaltstellen steht in der Regel eng mit unserem sensorischen System in Verbindung. In der Physiotherapie sagt man oft »Ohne Sensorik keine Motorik«. Ist beispielsweise ein Gelenk überlastet oder verletzt, dann erhält das Gehirn Informationen über den Zustand und bewertet und verarbeitet diese Infos entsprechend. In solch einer Situation macht eine weitere Maximalbelastung des Gelenks durch maximale Muskelaktivität keinen Sinn. Dadurch werden die motorischen Einheiten gehemmt und die Aktivierung des Muskels eingeschränkt.

Elektrostimulation

Aus diesem Grund werden schon sehr früh nach Verletzungen und Operationen elektrische Impulse gesetzt, um Muskeln wieder zu trainieren und an normale Belastungen heranzuführen. Unterschiedliche Stromformen werden in Verbindung mit speziellen Frequenzen eingesetzt, um Muskelkontraktionen auch ohne Impuls aus dem Gehirn zu ermöglichen.
Neben diesen Möglichkeiten nutzte man in Russland schon in frühen Jahren die Elektrostimulation zur Leistungssteigerung von Sportlern. Bestimmte Muskeln oder ganze Muskelgruppen werden zusätzlich zum ohnehin intensiven Training gereizt, wodurch sie noch stärker aufgebaut werden und die Leistungsmöglichkeiten weiter steigen.

EMS-Anwendungen

In der Vergangenheit wurden elektrische Ströme meist von Geräten generiert und über Kabel und Elektroden auf die Haut übertragen. Heutzutage werden Elektroden beispielsweise in hautengen Shirts und Hosen integriert, welche aber nach wie vor über Kabel mit einem Steuergerät verbunden sind. Diese Form der Anwendung ermöglicht es, parallel zur elektrischen Stimulation Einzelbewegungen oder Bewegungsabläufe zu trainieren. Es entstand eine Symbiose aus bewusster und extern erzeugter Muskelaktivität.

NMES-Anwendungen

Das Unternehmen diPulse hat diese Idee weiterentwickelt und ermöglicht diese Trainingsmethode nun auch komplett ohne einschränkende Verkabelung. Die Anwendung bezeichnet diPulse, angelehnt an physiologische Vorgaben, als »NMES«: Neuromuskuläre elektrische Stimulation.
In Zusammenarbeit mit dem Partnerunternehmen FENC, einem Spezialisten für High-Tech-Funktionsbekleidung, entstanden hochkomplexe Textilien mit voll integrierten und sehr großen Kontaktflächen aus Kohlenstoff-Nanotubes.
An bestimmten, gut erreichbaren Muskelpunkten werden die Leiterbahnen über zwei Magnetkontakte mit sogenannten »Stims« verbunden, die Impulse über Bluetooth Smart von außen empfangen und anschließend elektrische Signale an die Leiterbahnen im Textilgewebe abgeben können. Dieser Vorgang wird über eine App und Bluetooth Smart auf dem Smartphone oder Tablet gesteuert.

Die sogenannten „Stims“ werden einfach an den vorgesehenen Ports magnetisch befestigt.

An jedem Kleidungsstück der diPulse Sportswear sind verschiedene Befestigungspunkte für Stims fest integriert.

Bei NMES werden Bewegungen weder durch einengende Kleidung noch durch Verkabelung eingeschränkt und vielfältigste Trainingsmöglichkeiten ermöglicht, zum Beispiel in den Bereichen Ausdauer, Kraft, Hypertrophietraining und vielen mehr.
Im Gegensatz zu anderen EMS-Anwendungen werden aus gesundheitlichen Gründen nur zwei Muskeln gleichzeitig angesteuert, andernfalls könnten Überlastungen in den unterschiedlichen Körpersystemen auftreten. Diese Schutzfunktion ist eine von einigen Unterscheidungen zum durch Trainer begleitetes Functional Fitness Training in Studios.

EMS-Training mit Verkabelung (© Premium-Personaltrainerin Stephanie Lutrelli)

Keine einschränkende Verkabelung mit diPulse

Neben Shirt und Hose gibt es auch eine Kniebandage. Bei Kniegelenksproblemen werden der M. quadrizeps und vor allem der M. vastus medialis nur reduziert aktiviert; folglich bilden sie sich zurück. Die Kniebandage ermöglicht den gezielten (Wieder-)Aufbau dieser Muskelgruppe, um die Stabilität des Knies sicherzustellen. Außerdem gibt es einen Gurt speziell für die Stimulation von Bauch- und Rückenmuskulatur, um bei Rückenproblemen wichtige Muskeln zu stärken und Bewegungen in den richtigen Co-Kontraktionen durchführen zu können.
Die App für Smartphones und Tablets eröffnet vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, beispielsweise mit TENS-, Massage oder auch Rehabilitations-Anwendungen.

Zusammenfassung

»Leben ist Bewegung« – Dafür benötigen wir die vielen Funktionen unseres Körpers. Die Muskulatur spielt dabei eine entscheidende Rolle; deshalb sollte sie auf unterschiedlichste Weise trainiert werden. Vor allem dann, wenn das optimale Zuschalten der Muskulatur aufgrund von Verletzungen, Operationen oder degenerativen Problemen nicht möglich ist.
NMES ist eine gute Möglichkeit, die Muskulatur gezielt zu stimulieren. Die Methode sollte allerdings durch vielfältige Bewegungsmuster ergänzt werden, um die neu erlangte Stärke auch neuromuskulär in das »System Mensch« zu integrieren.

Veröffentlicht im Ju-Jutsu Journal 01/2020

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